Etwas Grenzenloses Khesrau Behroz

3 May 2007

Prosa

Thailand-Reisetagebuch: Straßenliebe

Ich liebe ihre Haare. Meine Augen verfangen sich darin. Stellt sich jemand vor sie, schiebe ich gar meinen Stuhl zurecht, um sie wieder bestaunen zu können. Ich erblicke die Haare, ihre Hände, und wie die beiden sich treffen. Es fasziniert mich. Dieses Mädchen braucht kein Gesicht.

Ihr Körper gefällt. Es wirkt sehr süß, zerbrechlich, irgendwie auch jung. Die Brüste sind nicht wirklich groß, doch im Vergleich zum Körper geradezu riesig. Man möchte sie berühren, diese Formen abfahren, möchte sie lieben und man möchte sich lieben lassen. Man möchte die Augen schließen und von dem Menschen nur träumen, obwohl sie sich direkt vor einem befindet. Man möchte selbst dann von ihr träumen, wenn sie neben einem liegt.

Die Lippen sind sehr klein; beim Küssen wäre man wohl ständig damit bemüht, sie zu greifen, sie zu beißen, sie zu finden und zu verlieren. Es wäre ulkig, sie mit der Zunge zu küssen. Ihr Mund wäre dafür viel zu klein. Vielleicht würde sie auch ständig nur lachen, ständig nur kichern und sich wegdrehen. Das wäre jedoch egal; man würde dann eben den Hals liebkosen, den Rücken berühren und sie umarmen und an ihren Haaren riechen.

Wie sie da steht. Und wie der Abend davonrennt. Menschen stellen sich vor sie, unterhalten sich mit ihr; sie verschwindet nicht, bleibt stets stehen. Sie ergreift jede Hand, die sie sieht, nähert sich jeder Person, die mit ihr sprechen will, flüstert Dinge in fremde Ohren, lacht laut auf und lässt dann wieder los. Sie verschränkt die Arme und dann blickt sie weg.

An mir blickt sie immer vorbei. Sie sieht mich nicht, bemerkt nicht, wie ich sie betrachte. Sie bemerkt nicht, wie ich sie begehre. Und dabei hatte sie schon mit mir gesprochen.

»1000 Baht«, hatte sie gesagt. Zwanzig Euro.


5 Kommentare

j.
5 May 2007 @ 6pm

Du hast es nicht gemacht, oder?!


Khesrau
5 May 2007 @ 7pm

Nein.


leser
14 May 2007 @ 1am

9 von 10 – für den text versteht sich :)


findevogel
20 May 2007 @ 11pm

Mir gefällt die Beschreibung dieses Begehrens gut – sensibel eingefangen – und vielsagende Ausrufungszeichen zwischen den Zeilen.

LG Findevogel


Nui
11 April 2008 @ 5pm

da haste was verpasst. Longtime (also ganze Nacht mit der Bedienung im Hotel) sollte man mal probiert haben. Und nein man hat nach so einem Abend an der Bar kein schlechtes Gewissen. Was ist denn da anders als eine zivilisierte “Europäerin” im Spanienurlaub den ganzen Abend auszuhalten um sie eventuell abschleppen zu können. Da ist “all inclusive” und keinen interessierts. Die Mädchen wollen das schnelle Geld (eine Nacht bringt soviel wie eine Wache Arbeit im Supermarkt und die “Falangs” sind nicht alle nur wegen der Luft da.
Und den GF Sex den Du da bekommst – mit der “Kellnerin” deiner Wahl kannst Du nicht mit ner Nutte in D vergleichen.
Nein ich bin kein Sextourist, aber dieses scheinheilige Gelaber kann ich auch nicht dazu hören. Denkt mal an unseren Marko in der Türkei… Das wäre im in Pattaya wenigstens nicht passiert (wobei die Dame über 20 sein muss)…
Mit einer Kitik an meiner Stellungnahme muss ich leben.
- Save the Planet -


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