Thailand-Reisetagebuch: Straßenliebe
Ich liebe ihre Haare. Meine Augen verfangen sich darin. Stellt sich jemand vor sie, schiebe ich gar meinen Stuhl zurecht, um sie wieder bestaunen zu können. Ich erblicke die Haare, ihre Hände, und wie die beiden sich treffen. Es fasziniert mich. Dieses Mädchen braucht kein Gesicht.
Ihr Körper gefällt. Es wirkt sehr süß, zerbrechlich, irgendwie auch jung. Die Brüste sind nicht wirklich groß, doch im Vergleich zum Körper geradezu riesig. Man möchte sie berühren, diese Formen abfahren, möchte sie lieben und man möchte sich lieben lassen. Man möchte die Augen schließen und von dem Menschen nur träumen, obwohl sie sich direkt vor einem befindet. Man möchte selbst dann von ihr träumen, wenn sie neben einem liegt.
Die Lippen sind sehr klein; beim Küssen wäre man wohl ständig damit bemüht, sie zu greifen, sie zu beißen, sie zu finden und zu verlieren. Es wäre ulkig, sie mit der Zunge zu küssen. Ihr Mund wäre dafür viel zu klein. Vielleicht würde sie auch ständig nur lachen, ständig nur kichern und sich wegdrehen. Das wäre jedoch egal; man würde dann eben den Hals liebkosen, den Rücken berühren und sie umarmen und an ihren Haaren riechen.
Wie sie da steht. Und wie der Abend davonrennt. Menschen stellen sich vor sie, unterhalten sich mit ihr; sie verschwindet nicht, bleibt stets stehen. Sie ergreift jede Hand, die sie sieht, nähert sich jeder Person, die mit ihr sprechen will, flüstert Dinge in fremde Ohren, lacht laut auf und lässt dann wieder los. Sie verschränkt die Arme und dann blickt sie weg.
An mir blickt sie immer vorbei. Sie sieht mich nicht, bemerkt nicht, wie ich sie betrachte. Sie bemerkt nicht, wie ich sie begehre. Und dabei hatte sie schon mit mir gesprochen.
»1000 Baht«, hatte sie gesagt. Zwanzig Euro.
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