Kafka in Love

Liebe Felice,
es ist gerade spät, doch ich kann nicht schlafen. Unentwegt muss ich an dein liebliches Engelsgesicht denken und wie es von Raben in seine Einzelteile gebissen wird und wie dein Blut dann den Boden bedeckt. Ich liebe es, mir vorzustellen, wie das merkwürdigste Getier deinen verwesten Körper umschmeichelt und sich dann an deine Reste macht. Du bist so schön, Felice, so schön.
Meine Brust schmerzt mir und die Hitze bringt mein Blut in Wallung. Ich muss daran denken, wie du eines Tages aufwachst und als ungeheures Ungeziefer neben mir im Bett liegst und wie wir über das Missgeschick lachen und dann zum See fahren. Wir essen belegte Brötchen, und dann kommt plötzlich ein Rabe und pickt dir die Augen raus und das Blut spritzt mir ins Gesicht und wir beide lachen, nur ich halt ein wenig länger als du.
Meine liebste, allerliebste Felice. Ich begehre dich und deinen Körper, ich begehre dein krauses Haar und deine roten Wangen, ich begehre deine indischen Fingernägel und deine unreine Haut, ich begehre die Art wie du dich nicht verkaufst. Ich liebe dich und deine schöne Gestalt! Wenn ich dich ansehe, stelle ich mir eine schönen Ausflug in die Strafkolonie vor. Du legst dich auf eines der unzähligen und wunderschönen Apparate und ich schaue dabei zu, wie man dir die Augen ausreißt und die Beine ausreißt und die Arme ausreißt und das Blut dann in einer ästhetisch kaum nachzuahmenden Art den Boden befleckt.
Welch schöne Gedanken ich hege, wenn ich an dich denke. Oh, du liebliche Schönheit, du wunderbares Wesen. Wenn ich dich sehe, ach, da wird mir ganz schwarz vor Augen.
In Hingabe und Demut,
Franz
(aus EFFZETT # 6)
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