Etwas Grenzenloses Khesrau Behroz

4 February 2009

Lyrik

Laternenzischen

Wir sprachen uns jede Nacht
kurz vor dem Laternenzischen,
hörten kunterbunte Dinge
wunderbar in Kreisen singen,
achtlos sind wir abends
bis in die Morgenstunden gelaufen,
haben die Ziele ins unseren Sohlen
auf dem Weg ins Nichts verloren,
wir atmeten mit schweren Stößen
Höhepunkte ein und aus, dann
schworen wir Stille
und blühten auf im Tatendrang,
wir taten uns Gefahren an,
weil wir tagelang am Warten waren;
im Bodenlosen, dort hast du
festen Grund gefunden

Wir sprachen uns jede Nacht,
wir wussten Lust von
Trost zu unterscheiden,
Wahrheiten wollten wir nicht hören,
wir wollten sie uns selbst verdrehen,
du hast stets so weich gesprochen,
ich glaub es klang nicht wichtig,
und rauschtest an mir vorbei
im Echo des Laternenzischen,
ein dumpfer Ton ohne Gleichgewicht,
isoliertes Sterben, das reicht ihm nicht
und in all dem Chaos, da
nahm ich nur deine Formen wahr,
lass mich schämen für den Trieb,
der so sehnsüchtig in meinem Körper lag;
Augenblicke schauen nicht

Wir haben jede Nacht
von fremden Welten gesprochen,
haben Wörter gierig eingeatmet
und mit stumpfen Bleistiftspitzen
Selbstportraits gezeichnet,
es platze uns zuweilen der Kragen,
Schutzhüllen verloren wir,
trugen nur noch Jacken
vergangener Heldentaten,
berührten uns
mit abgesunken Köpfen und
zugeknöpften Hosen,
wir klirrten mit unseren Gläsern
der verwirrten Schar entgegen,
im roten Wein, da sahen wir
vor Glück unsere Augen beben

Wir sprachen uns jede Nacht,
ein Marmorstein ist kein Angesicht,
wir beide wissen: nach dem Zischen
kommt wieder Laternenlicht


2 Kommentare

jasmin
11 February 2009 @ 1pm

schön!


björn
13 June 2009 @ 9pm

Hey Cash-Rau ;)

schöne Seite die du hier hast. Das Gedicht gefällt.
Hoffentlich sehen wir uns demnächst mal wieder.

Liebe Grüße,

Björn


Hinterlasse einen Kommentar