Etwas Grenzenloses Khesrau Behroz

15 June 2009

Blog

Die Braut trug schwarz

© Pierrot Le Fou

© Pierrot Le Fou

Die Liebe, in ihren größten Momenten, ist bedingungslos. Der von fremder Hand verschuldete Verlust eines geliebten Menschen ist, so tragisch er auch ist, oftmals auch eine Möglichkeit, sie zu beweisen. Jeanne Moreau, eine von Frankreichs bekanntesten und beliebtesten Schauspielerinnen, hat es in einem Interview als „totale Einsamkeit“ beschrieben. Der Rachefeldzug ihrer Figur in Die Braut trug schwarz (1968), Julie Kohler, hat keine Umgebung. Man würde nicht sehen, wie sie schläft. Man könnte sich nicht vorstellen, wie sie morgens frühstückt. Sie läuft durch die Welt, besessen von dem einen Gedanken: Den Mord an ihrem Bräutigam rächen.

Dieser wird am Tag ihrer Hochzeit, glücklich, erschossen. Er stirbt in ihren Armen und lässt sie alleine. Julie Kohler, die Witwe nun, spürt in rund 100 Minuten die fünf Männer auf, von denen sie glaubt, dass sie eine Schuld tragen an dem Mord an ihrem Geliebten. Wir wissen nicht, wie sie die fünf Männer überhaupt aufgespürt hat. Wir wissen nicht, woher ihre bedingungslose Liebe rührt. Eine emotionale Bindung zwischen dem Zuschauer und Julie Kohler wird in keinem Prolog aufgebaut, eher soll ihr Motiv ihren Rachefeldzug erklären. Moreaus starrer Gesichtsausdruck, ihre bestechende Präsenz, spricht Bände. Stets ist sie entweder in schwarz oder in weiß gekleidet, kommt als Engel in die Leben der Männer, fast alle verlieben sich zuerst in sie, bevor Julie ihnen zum Verhängnis wird.

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