Etwas Grenzenloses Khesrau Behroz

24 June 2009

Blog

blickRück

© Kamila Maria Smechowski

© Kamila Maria Smechowski

Der Raum ist frei. Die Menschen sammeln sich in der Mitte; am äußeren Rand sitzen nur einige wenige. Draußen, vor der Tür und im Foyer, da unterhalten sie sich, gehen immer wieder zum Ausschank. Das Bier ist frei.

Die Unterhaltungen an diesem Abend wirken wie eine Katharsis. Unter dem Einfluss von Gerstensaft fällt das Reden leichter; „diesen Teil, den hab ich nicht verstanden“, „ich fand Deine Kritik nicht fair“, „ich bin, ganz ehrlich, ein bisschen neidisch auf Euer Stück“. Aus zwei Gesprächspartnern werden drei, vier, fünf; beim Vorbeigehen hört man ein Schlagwort, da hört man einen Einstieg. Doch am Ende, wenn alles raus ist, die Wörter, die kommen wollten, auch gekommen sind, treibt es sie alle in den Raum hinein, auf die Tanzfläche, die so groß ist, dass man von der einen zur anderen Seite fegen kann; im Hüpfschritt an den Mittanzenden vorbeirauschen, Körper, die sich fast treffen, aneinander stoßen. Der Kopf ist frei.

Als die Bühne das letzte Mal betreten wird, fühlt es sich merkwürdig an nach dem Theatermarathon. Jeden Abend ein Stück, jeden Tag die Diskussionen zum vorherigen Stück, jedes Mal enttäuschte, aber auch glückliche Gesichter. Auf dem Festival-Gelände treffen sich die Köpfe, einige laufen bewusst aneinander vorbei, andere halten die Köpfe nach vorne, grüßen alle, die sie sehen und irgendwann mal getroffen haben. Im Zelt, da stehen sie an, um etwas von der Fassbrause zu bekommen; es schäumt, es dauert. Und wenn sie dann das Zelt verlassen, hinein in den kleinen Garten, halten sie kurz inne, schauen sich um, suchen den Tisch mit Leuten, die sie kennen; ein kurzes Winken, ein rasches Lächeln; beim Vorbeigehen wird noch schnell gepriesen, „ihr wart super gestern Abend“, weitergehen. Im Kopf, da ist eigentlich noch viel mehr. Informations-Overkill. Beinahe fühlt man sich schlecht für seine kurzen Sätze, will viel mehr sagen. Vorsichtige Annäherungen mehren sich, das nächste Mal, so beschließt man, setzt man sich an einen anderen Tisch. So funktionieren Festivals, so funktioniert Theater. Die Gedanken sind frei.

Artikel bitte weiterlesen im Festival-Blog des Theatertreffens der Jugend, veranstaltet von den Berliner Festspielen.

Erstveröffentlichung in der Festival-Zeitung des 30. Theatertreffens der Jugend, der FZ#9.


Bislang keine Kommentare


Hinterlasse einen Kommentar