Kennedy
Personen:
Vater
Die Tochter des Vaters
Richter
Ein schwarzes Kind
Prozess-Zuschauer
Das Mädchen hält in den Armen sanft den rauen Kopf des Vaters fest
und solidarisch wie das Kind mit den warmen Worten des Vaters ist,
verspricht sie klar und allzu deutlich seinem zittrigen Angesicht:
„Komme auch der größte Sturm –
Dein Geheimnis verrat ich nicht.“
Der Vater nickt kaum erkennbar, flüchtet sich mit Gram im Scham,
senkt den Kopf, wie jedes Mal, wenn die Schuld ihn überkam,
formt die Lippen mit Bedacht, um dem Kinde zu gestehen:
»Als ich tat, was ich tat –
da hab ich nicht mehr dich gesehen.«
So tritt das Kind mit dem Vater stolz in den viel zu vollen Saal hinein,
das Haupt erhoben, alles glotzt, denn heute werden sie Kläger sein,
solidarisch stehen Menschen auf, es gibt Applaus für Vater und Kind:
„Gerechtigkeit für die Schändereien –
die des Opfers größten Narben sind!“
Angeklagt in der Mitte sitzt: ein junger Bub vor Furcht erstarrt,
die Fingerkuppen schmutzig, und seine Haut nur dunkles Schwarz,
der Richter lächelt ganz entzückt und fragt den Jungen nach der Tat:
„So glaubt mir doch, ich war es nicht –
ich bin zu Unrecht angeklagt!“
Als der Richter sichtlich sich sodann enttäuscht zum Vater wendet,
und das Licht im Saal so sichtlich ihm die Augen blendet,
bricht der Vater in sich zusammen, da schreit das Kind in den Saale artig:
„Er kann nicht sprechen, es tut ihm weh -
vom Neger dort wurd’ ich vergewaltigt!“
Im Saale stehen die Menschen auf, dem Richter reicht die Leidenschaft.
Das Publikum soll endlich ruhn, es schreit aus ganzer Leibeskraft,
der Richter warnt, es sei soweit, das Urteil wolle er nun verkünden
(alles hält den Atem an) –
„Und er muss büßen für seine Sünden.“
Der Junge schluckt, ihm bricht der Boden unter den nackten Füßen weg,
er lauscht den dumpfen Stimmen und in ihren Flüchen dem ganzen Dreck,
den Worten will er sich erwehren, doch lose schwingt jeder Ton alleine:
„So glaubt mir doch, ich war es nicht –
(und der Rest der Stimme ist keine.)
Das Mädchen hält in den Armen sanft den rauen Kopf des Vaters fest
und solidarisch wie das Kind mit den eig’nen sanften Worten ist,
erinnert es ihn an das Versprechen, das es ihm zuvor so edel gab:
„Dein Geheimnis verrat ich nicht –
weil ich Dir verziehen hab.“
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