
George Clooney hat mir alles versaut. Ernsthaft. Er war einer der vielfältigen Gründe, Emergency Room zu ignorieren. Lieber hätte ich mir ins Schienbein treten und mich in die Notaufnahme einliefern lassen, als Mr. Clooney auch noch beim Menschenretten zuzusehen. Das ist, so habe ich wissenschaftlich festgestellt, ein absolut normaler und insbesondere bei Männern häufig auftretender Effekt, wenn Clooney in einem Film erscheint, der weder politisch noch von Steven Sonderbergh ist. (Ja, meine Güte, als Danny Ocean ist er schon eine coole Sau.)
So geschah es die letzten Jahre, dass ich mich gegen Ärzte per se gewehrt habe. Emergency Room habe ich keine verdammte Folge lang ausgehalten, von meinem Zahnarzt wurde ich verklagt und Grey’s Anatomy hört sich zwar unglaublich anziehend an, lässt mich aber leider auch irgendwie total kalt. Ich war Ärzte-geschädigt und ich dachte, das würde sich nicht so schnell ändern.
Doch dann kam House, Dr. Gregory House. Er ist – ich nutze an dieser Stelle natürlich den Fachterminus – ein unerträgliches Arschloch. Seine Patienten will er nicht sehen, seine Sprüche sitzen wie Beamte im Büro und seine Moral ist entweder nicht existent oder nicht existent. Also entweder existiert sie nicht oder sie existiert zwar, äußert sich aber in ihrer Nichtexistenz. Das ist so wahnsinnig fatalistisch, jeder Versuch, etwas Liebevolles in ihm zu finden, scheitert letztendlich gnadenlos. Er ist unentwegt auf der Suche nach dem nächsten Rätsel, das er knacken kann, manipuliert bei jeder Gelegenheit das Liebesleben seines besten Freundes und tut selbst in der inzwischen fünften Staffel noch Dinge, die immer wieder verdeutlichen, was für ein undurchsichtiger und komplex gestrickter Charakter er ist.
Sein Markenzeichen ist der Gehstock, mit dem er nicht nur allerlei Schnickschnack anstellen kann, sondern den er auch braucht, um pro Folge gefühlte fünfzig Kilometer im Krankenhaus zu laufen. Was mit seinem Bein eigentlich genau los ist, verraten die Autoren nicht in den ersten Folgen. House ist eben so oft es nur geht ein Geheimnis. Dank den Dutzenden von Schmerztabletten, die er sich täglich in den Rachen schmeißt, gilt er auch noch als drogensüchtig.
Also wenn das mal kein perfekter Arzt ist, weiß ich auch nicht mehr weiter.
Weitere Punkte hat House bei mir gut, weil die Titelmusik von Massive Attack ist (zumindest in der U.S.-Version) und weil die Herrschaften bislang noch keinen Cameo-Auftritt von George Clooney zugelassen haben. Zudem ist Hugh Laurie die Idealbesetzung für so eine Persönlichkeit wie Dr. Gregory House, weil er den Zynismus, den Sarkasmus und die bitterböse Ironie des ungewöhnlichen Arztes außerordentlich gut darstellt. Die Serie lebt von seinem Hauptdarsteller und sie funktioniert wunderbar mit dieser Prämisse. Zwar ist die Struktur einer jeden Folge fast immer dieselbe (ein Mensch hat ein Problem, das nur Dr. House lösen kann, es folgt die Differenzialdiagnose, anscheinend findet man eine Lösung, der Patient bekommt einen Anfall, die Ärzte verstehen die Welt nicht mehr, House ärgert die Chefin, House ärgert seinen besten Freund, jemand sagt anscheinend beiläufig etwas, doch House kommt dank dem Gesagten ein Geistesblitz, er löst den Fall, Credits), dank den zwischenmenschlichen Reibereien, den spannenden Schicksalen der Patienten und dem Sprücheklopfen von Dr. House sieht man aber gerne über die bewährte Formel hinweg und genießt 45 Minuten Arztkrimi-Unterhaltung.
House, M.D. (2004), von David Shore, mit Hugh Laurie, Lisa Edelstein u.a.